Geplante Müllverbrennungsanlage in Hagenow führt zu einer Überschreitung der Grenzwerte der extrem krebserzeugenden Dioxine und Furane
Sollte die geplante Müllverbrennungsanlage (MVA) in Hagenow in Betrieb gehen, wird es nach Berechnungen des Bund für Umwelt und Naturschutz

(BUND) zu einer Überschreitung der zulässigen Grenzwerte der Seveso-Gifte (Dioxine und Furane) kommen. Dies würde zu einer erheblichen Steigerung des Krebsrisikos der in der Umgebung der Anlage wohnenden oder arbeitenden Menschen führen.

In den ausgelegten Genehmigungsunterlagen zu der geplanten MVA ist eine Immissionsprognose enthalten. Diese Immissionsprognose errechnet eine Deposition für Dioxine und Furane von 0,44 pg/m²*d (0,44 Pikogramm pro Quadratmeter und Tag). Der Länderausschuss für Immissionschutz (LAI), ein Expertengremium der Bundesländer, empfiehlt als Grenzwert für die extrem krebsgefährlichen Dioxine und Furane eine maximale Deposition von 4 pg/m²*d.

Die Berechnungen der Antragstellerin sind nicht nachvollziehbar. So wurden im Umfeld der MVA Ludiwgslust 2,82 pg/m²*d gemessen. Die MVA Ludwigslust verbrennt jedoch nur 50.000 Tonnen Abfall im Jahr, während die geplante MVA Hagenow 85.000 Tonnen Jahreskapazität haben soll. Legt man die in Ludwigslust gemessenen Werte auf die in Hagenow geplante Anlage um, muss bereits mit 4,45 pg/m²*d gerechnet werden.

Hinzu kommen die Schadstoffe aus dem bereits betriebenen Biomasse-Kraftwerk, das unmittelbar neben der geplanten neuen MVA liegt.

Insgesamt ist also mit einer deutlichen Überschreitung des vom LAI empfohlenen Grenzwerts und damit einer nicht mehr hinnehmbaren Erhöhung des Krebsrisikos zu rechnen.

In den Antragsunterlagen wurde auch keine Messung der Vorbelastung am Standort Hagenow vorgenommen. Vielmehr wurden lediglich Erfahrungswerte und Messergebnis anderer Standorte herangezogen.

Aus Sicht des BUND ist dies nicht zu verantworten. Geschäftsführerin Corinna Cwielag: *Die MVA Hagenow soll in direkter Umgebung zahlreicher empfindlicher Nutzer, darunter die Volkshochschule, eine Berufsbildungsstätte und Behindertenwerkstätten, errichtet werden. Bereits aus einer überschlägigen Nachberechnung der Antragsunterlagen lässt sich ableiten, dass die Depositions-Grenzwerte für das Seveso-Gift überschritten werden. Die Schadstoffe aus dem Biomasse-Kraftwerk wurden völlig vernachlässigt. Es ist nicht nachvollziehbar, warum das StAUN Schwerin als zuständige Genehmigungsbehöre von der Antragstellerin keine Messung der Vorbelastung am Standort verlangt.“

Der BUND fordert nochmals alle Hagenower auf, bis Donnerstag dieser Woche eine Einwendung im Rathaus abzugeben. Spätere Einwendungen müssen von der Behörde nicht mehr berücksichtigt werden.